Victoria Gazette

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Brief einer Mehringkiez-Bewohnerin

"Das liebe QM"

Neulich, beim Durchforsten meiner alten Emails, stieß ich auf das Schreiben einer Bewohnerin des Quartiers Mehringplatz, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Kurz davor hatte ich Informationen über die aus dem Programm "Soziale Stadt" geflossenen Fördergelder, die das Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz für zum Teil unsinnige und völlig überteuerte Projekte ausgegeben hatte, publik gemacht. Außerdem hatte ich die Bewohner über die exorbitanten Summen informiert, die das QM für seine Verwaltung kassiert.

Sehr geehrte Frau Boé,

... Ich stimme in vielen Punkten (wenn auch nicht in allen) mit Ihnen überein, speziell was Ihre Einschätzung der Effektivität des "lieben QMs" betrifft.

Ich habe mich dort von Anbeginn (2005) in allen Gremien ehrenamtlich sehr heftig engagiert, kenne also die Arbeitsweise dort zu genau und habe mich deshalb konsequenterweise im Dezember 2009 aus jedem Engagement hierfür zurückgezogen. Übrigens: ganz unabhängig von meiner Entscheidung taten dies auch sechs weitere hochgradig engagierte und kompetente Kiezbewohner, die bis dahin in der Bürgerjury aktiv waren.  Uns allen war klar, daß es überhaupt nicht im Interesse des QMs liegen kann, die gesetzten Ziele zu erreichen, nämlich: durch Identifikation mit dem Kiez die Integration der unterschiedlichen Ethnien zu einer lebendigen Solidargemeinschaft, sowie die allgemeine Imageverbesserung des Kiezes durch Schaffung  eines lebenswerten Wohnumfeldes statt eines sich immer mehr zum Slum wandelnden Präventionsgebietes.

Mit Erreichung dieser Intentionen würde sich das QM ja selber abschaffen und seine Arbeitsplätze verlieren, was nicht im Interesse der dort Angestellten liegen kann!!!

Mich hat besonders erbost, wie die vereinten Kräfte von QM, Frau Bieleke und Herr Hirsch die Kiezzeitung "FRANZ" bewusst und blind für die Realitäten und taub für alle Warnungen an die Wand haben fahren lassen. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und kaum zu retten, wenn nicht ein Wunder geschieht (nur: an so etwas glaube ich nicht!!!!). Die eklatante, peinliche Verschlechterung des Niveaus vom "FRANZ" ist Ihnen  ja vermutlich nicht entgangen. Ist ja auch unübersehbar, spätestens in den Papierkörben der Hauseingänge. Schade um die verschleuderten Förderungsgelder!!!!

Das zweite große Ärgernis war die permanente Zurücksetzung des Kabaretts "Kiez-Krähen" durch das QM zu Gunsten des Chores der "Kiezkrähen". Während sich das Kabarett ausschließlich aus Kiezbewohnern zusammensetzte und ausschließlich Zustände und Ereignisse des Kiezes ins parodistische Visier nahm, besteht der Chor zu 3/4 aus Mitgliedern, die aus ganz anderen Bezirken stammen (noch nicht einmal wenigstens aus Kreuzberg). Dieser Chor wird seit  ca. vier Jahren vom QM permanent als förderungswürdig betrachtet, während eine weitere finanzielle Unterstützung des Kabaretts mit folgender  Begründung abgelehnt wurde (ich zitiere wörtlich): ... weil "das Ziel - eine Aktivierung von BewohnerInnen und darüber die Stärkung des Nachbarschaftsgedankens - durch[das]Projekt bereits erreicht wurde."

Das heißt doch im Klartext: wer sich engagiert und dabei noch erfolgreich ist, fällt durch den "Förderungs-Rost" des QMs und mit Hilfe seiner von ihm beeinflussten Gremien. Stattdessen dürfen Migrantinnen unter sich bleiben und Kekse backen oder Perlen aufziehen unter dem Motto: "Förderung der Integration im Kiez" und "Wir holen die weiblichen Migrantinnen mit ins Kiez-Boot" - welch verlogene Argumentationskette und Verschleierungstaktik!

Frustriert und ohne Verständnis für diese "Kiez-Politik" des QMs haben sich - wie bereits gesagt - eine ganze Reihe engagierter, aktiver Kiezbewohner aus der Mitarbeit im Interventionsgebiet zurückgezogen, andere sind erst gar nicht bereit einzusteigen, um ihre kostbare Freizeit nicht unnütz zu verschleudern und sich offensichtlich veralbern zu lassen.