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Viktoria zurück am Mehringplatz

Ablenkungsmanöver

Das große Trara um die Rückkehr des "Engels" (Siegesgöttin Viktoria) soll doch nur von der miesen Bilanz des Kreuzberger Bezirksamtes und des Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz ablenken. Nach fast neunjähriger QM-Präsenz und Investitionen in Millionenhöhe hat sich die prekäre Situation im Mehringkiez kaum gebessert.

Eine von QM und Bezirksbürgermeister Schulz angesiedelte, ständig größer werdende Gruppe von Alkohol und Drogen konsumierenden Leuten und Dealern vermiest den Bewohnern und ihren Kindern das Leben. Sie werden als „Scheißkanaken“ beschimpft, bedroht oder auch mal mit Bierflaschen beworfen. Die freilaufenden, ständig bellenden Hunde der Alkojunkies zerren an den Nerven der Bewohner. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann „kann und will diese armen Leute nicht verdrängen“. Dass bereits eine türkischstämmige Familie mit ihren Kindern weggezogen ist – also verdrängt wurde – und viele andere nach einer neuen Wohnung suchen, scheint die forsche Bürgermeisterin nicht zu stören.

Die Bemerkung der QM-Büroleiterin Candy Hartmann („Für uns ist die Rückkehr [des Engels] ein Zeichen dafür, dass es hier vorwärts geht“) ist in ihrem Zynismus nicht zu überbieten. Hat die Dame die letzten neun Jahre geschlafen?

Eine Bronzestatue als Identifikationsobjekt?

Bewohner identifizieren sich doch nicht mit ihrem Kiez, wenn dieser weder sauber, noch sicher, noch attraktiv ist. Da hilft auch kein Engel, der über die Misere hinwegblickt. Menschen, die über Jahrzehnte im gleichen Viertel wohnen, sterben doch langsam aus. Die heutigen Berufstätigen müssen mobil sein und wollen auch mal über den Tellerrand schauen. Die Zeiten haben sich geändert, nur haben die ewig gestrigen QM-lerinnen das noch nicht bemerkt. Die globale Wirtschaft braucht Leute mit Auslandserfahrung, Menschen, die flexibel sind, Fremdsprachen beherrschen und sich überall da zu Hause fühlen, wo sie ein interessanter Job und eine angenehme Nachbarschaft erwarten. Wenn Hartmann vom QM Mehringplatz sagt, dass der Engel für DIE Anwohner ein hohes Identifikationsobjekt ist, dann ist das einfach nur albern.

Und wenn Stadtrat Panhoff die Anwohner ermuntert, sich bei der Neugestaltung des Platzes mit zu beteiligen, dann ist das widerliche Heuchelei. Als er kürzlich gefragt wurde, warum er bezüglich der Realisierung des 320.000 € teuren, heftig umstrittenen Projekts "Pfad der Visionäre" in der Fußgängerzone Mehringplatz keine Bewohnerumfrage machen will, antwortete er spitz: "Dazu sehe ich keine Veranlassung." Er will dem verantwortlichen "Künstler" Bonger Voges sogar 138.000 € aus öffentlichen Mitteln schenken. Und das obwohl die Kommission für Kunst im öffentlichen Raum den künstlerischen Wert des Pfades stark kritisierte. Für dringend benötigte Kinderspielplätze im Mehringkiez hat Panhoff dagegen kein Geld.

Die Leute hier wollen zu allererst ein sauberes, sicheres und attraktives Wohnumfeld und Jobs für die vielen Arbeitslosen. Erst wenn dieser Kampf gewonnen ist, können sie sich alle über die Rückkehr der Siegesgöttin Viktoria freuen. Die Hurramentalität des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg und des QM Mehringplatz hilft uns da kein bisschen weiter.