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Engagement der GEWOBAG

Zukunftswerkstatt Mehringplatz - ein Märchen ohne Happy End

Engagement der GEWOBAG im Gebiet Mehringplatz laut Website der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaften (www.wohnenfuer.berlin) und was davon umgesetzt wurde

2013 erhielt die Gewobag vom GdW Bundesverband der Deutschen Wohnungs- und Immobilien-Unternehmen e.V. eine Anerkennung für ihr Engagement am Kreuzberger Mehringplatz. Die Anerkennung wurde im Rahmen der Verleihung des Preises »Soziale Stadt« vergeben.

Fakt: Der Preis wurde der GEWOBAG nur aufgrund der blumigen Beschreibung des Projekts verliehen – und nicht für dessen Realisierung beziehungsweise Nutzen für die Bewohner und Gewerbetreibenden des Quartiers Mehringplatz.

Mit der 2011 initiierten »Zukunftswerkstatt« hat die Gewobag gemeinsam mit dem Quartiersmanagement (QM) am Mehringplatz in Kreuzberg und vielen Partnern vor Ort den ersten Meilenstein gesetzt, damit der Mehringplatz wieder zu einem der schönsten Plätze Berlins wird. In der Begründung der Jury heißt es: »Der ausgelöste Prozess ist unumkehrbar und hat das Miteinander am Mehringplatz nachhaltig verändert. Dieses Engagement regt dazu an, dass sich auch andere Stadtteile auf diese Reise begeben und die Früchte einer gemeinsamen Vision von der Zukunft ihres Stadtteils ernten.«

Fakt: Die „Zukunftswerkstatt“ hat um die 50.000 Euro gekostet – das Resultat kann jeder selbst beurteilen. Davon profitiert haben vor allen der Kunstwelt-Verein, Träger des QM Mehringplatz, und drei Agenturen.

Die Gewobag bewirtschaftet am Kreuzberger Mehringplatz 1.033 Wohnungen. Grund genug, um gemeinsam mit den Partnern vor Ort zu überlegen, wie aus dem einstigen Platz »Belle Alliance« am Tor zur Friedrichstraße wieder ein lebendiger, schöner Ort wird, an dem man gerne wohnt und verweilt. 2011 wurde mit diesem Ziel vom Quartiersmanagement am Mehringplatz, der Gewobag, Senat und Bezirk sowie zahlreichen lokalen Partnern die »Zukunftswerkstatt« ins Leben gerufen. Dies ist ein allgemein anerkanntes Verfahren, bei dem möglichst viele Bürgerinnen und Bürger bzw. Anwohner an der Entwicklung und Gestaltung ihrer Umgebung beteiligt werden, um gemeinsam Lösungen zu finden. 

Fakt: Als die Bewohner merkten, dass sie nicht viel zu sagen hatten und die Entscheidungen sowieso ohne sie im sogenannten Lenkungsaussschuss getroffen wurden, nahmen kaum welche an den Sitzungen der Arbeitsgruppen (AGs) teil. Florian Schmidt vom Projektbüro Kreativquartier Südliche Friedrichstadt über die AGs: „Eine halbherzige Sache, die wenig gebracht hat. Am wenigsten die AG Gewerbe.“ Olaf M., ein vormals engagierter Bewohner, schrieb am 23.1.2012 an das QM Mehringplatz: „Nach langem Überlegen habe ich mich dazu entschlossen, nicht mehr an den Sitzungen der Zukunftswerkstatt für den Mehringplatz teilzunehmen. Die Gründe für meine Entscheidung sind die sehr zähen und frustrierenden Diskussionen und die daraus resultierenden geringen Veränderungen im Quartier. Ich hatte mir die Arbeit an den Projekten ‚hemdsärmliger‘ und die Entwicklung sowie die Ergebnisse nach acht Monaten spürbarer vorgestellt. Habe das Gefühl, dass es immer schlimmer wird.“ Viele Bewohner und Gewerbetreibende waren der gleichen Meinung.

Die Zukunftswerkstatt am Mehringplatz setzt sich auf vielseitige Art und Weise für die Verbesserung der Lebensqualität am Mehringplatz ein. In verschiedenen Arbeitsgemeinschaften erarbeiten Bewohner und Aktive gemeinsam langfristige Strategien, um den Mehringplatz attraktiver, sozialer im Sinne stabiler Nachbarschaften und sicherer zu gestalten. Zu den bereits angestoßenen Maßnahmen gehören beispielsweise die Ansiedlung unterschiedlicher Gewerbe, das Bepflanzen des Platzes mit rund 45.000 Blumen sowie die Pflege der Grünflächen durch einen eigens für den Platz eingestellten Platzgärtner, Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche, die Eröffnung einer nachbarschaftlichen Begegnungsstätte und die Veranstaltung von Kiezfesten für die rund 5.400 Anwohner.

Fakt: Die Ansiedlung unterschiedlicher Gewerbe hat bis heute leider nicht stattgefunden. Die Pflege der Grünflächen durch den eingestellten Platzgärtner leider auch nicht (siehe Fotos). Bildungsangebote kamen schon immer von der KMA – genauso wie die Einrichtung der Begegnungsstätte. Auch regelmäßige Kiezfeste gab es lange davor schon.

FAZIT: Außer (immenser) Spesen, nix gewesen!

Vorbild QM Reuterkiez:

Dass es auch anders und billiger geht, beweist das QM im Reuterkiez. Obwohl das Quartier Reuterkiez mit 19.633 Bewohnern 3 ½ Mal größer ist als das Quartier Mehringplatz, sitzen im dortigen QM nur fünf Personen, im QM Mehringplatz sitzen vier.

Der Quartiersrat im Reuterkiez besteht aus rund 65 regelmäßigen Mitgliedern, der erweiterte Kreis des Beirats (gelegentlich Mitwirkende) aus ungefähr 110 Personen. Der Quartiersrat ist eine öffentliche Versammlung für den Reuterkiez, die ungefähr einmal im Monat stattfindet. Teilnehmen darf jeder, der Lust dazu hat. Wer wenigstens bei einer der letzten beiden Sitzungen dabei war, ist stimmberechtigt.

Nach der QR-Geschäftsordnung arbeitet man auf verschiedenen Ebenen zusammen: im Quartiersrat und in Arbeitsgruppen zu den Themen "Wohnumfeldgestaltung", "Bildung" und "Kultur". Unterstützung gewährt ein vierköpfiges Koordinationsteam für Bürgerbeteiligung, das sich aus Vertretern aller AGs zusammensetzt.

Vom Platzgärtner "gepflegte" Hochbeete am Mehringplatz: