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Sinnvolle Investition von Steuergeldern

Zwei Quartiersmanager im bayrischen Bodolz zeigen wie es geht

Seit acht Jahren führen die schnarchigen Mädels vom Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz ein gemütliches, stressfreies Dasein, das den Steuerzahler jährlich fast eine Viertelmillion Euro kostet. Ihre Einschätzung der Situation im Quartier stützen die nicht vor Ort wohnenden QM-Mitarbeiterinnen hauptsächlich auf Erzählungen einer Clique, die bei den letzten Wahlen auf wundersame Weise mehrere Sitze im Quartiersrat ergatterte.

Kristijana Penava, Anwältin ohne Büro und kurzfristig im Frozen-Yoghurt-Verkauf tätig, ist Geschäftsführerin des QM Mehringplatz. Die QM-Büroleiterin Candy Hartmann ist Geografin, ihre Kollegin Christine Piwek angeblich Kulturwissenschaftlerin. Genau das, was ein sozialer Brennpunkt wie das Quartier Mehringplatz nicht unbedingt braucht.

Ganz anders läuft das im bayrischen Bodolz. Dort kümmern sich seit 2007 der Arbeitserzieher Helmut Schock-Hacksbacher und die Sozialarbeiterin Caroline Cerisier sowohl um die Bodolzer Jugend als auch um die Bürger. Das Aufgabengebiet des längst schon eingespielten Teams reicht von der Jugendarbeit, über die Arbeit mit Kindern, der Erwachsenenarbeit bis hin zur Organisation des Mittagstischs und der Betreuung des Jugendprojekts „Gewusst wie“.

Was die Jugendarbeit anbelangt, so besteht die Hauptarbeit der beiden im Betreiben des Jugendzentrums im Haus der Generationen an zwei Abenden in der Woche. In dessen offenen Rahmen leisten die beiden Drogen- als auch Alkoholprävention. Behilflich sind sie zudem, wenn es darum geht, Bewerbungsschreiben aufzusetzen oder Praktikastellen zu finden. „Sie haben die Jugendlichen im Griff“, folgerte Bürgermeisterin Ursula Sauter, nachdem sie dem Gremium erklärt hatte, dass es in Bodolz seither weniger Vandalismus, Alkohol- und Drogenprobleme gebe.

Auch den einmal wöchentlich stattfindenden Kindertreff lobte die Bürgermeisterin als eine Einrichtung, die die Kinder von der Straße hole und sinnvoll beschäftige. Und dass die beiden obendrein noch überall dort zur Stelle seien, wo Hilfe bei sozialen Konflikten oder Behördengängen benötigt wird, macht sie ebenfalls unentbehrlich.

Und was genau macht das fünfköpfige QM-Team am Mehringplatz? Die meisten Kiezbewohner haben keine Ahnung. Hin und wieder liegt ein bunter Flyer im Briefkasten, der meistens gleich im danebenstehenden Papierkorb landet. Im QM werden Protokolle geschrieben, die aber nur ein Dutzend Leute zu sehen bekommen. Sitzungen hinter verschlossenen Türen werden geleitet. Millionen Euro werden verteilt – für Projekte, deren Nutzen weder sichtbar noch spürbar ist. Vandalismus gibt es nach wie vor, das Wohnumfeld ist noch genauso trostlos wie vor acht Jahren.

Das Alkohol- und Drogenproblem hat sich sogar noch verschärft, da das QM Mehringplatz – in trauter Gemeinsamkeit mit Ralf Hirsch, einem Technokraten der Senatsverwaltung, der den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern noch üben muss – zwei unsägliche Unterstände für die ganztägig am Mehringplatz rumlungernden Alkojunkies mitten in eine Grünanlage stellte. Die dort wohnenden Familien wurden vorher weder informiert noch konsultiert. Die Gruppe randalierender Alkoholiker, konstant bellender Hunde, aggressiver Drogendealer und offen konsumierender Junkies wird täglich größer. Unsere Hausdurchgänge werden als Urinal missbraucht, der Gestank ist kaum auszuhalten. Unser besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang dem von den Grünen dominierten Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, das bisher besonders durch Untätigkeit aufgefallen ist. Inzwischen zählt der U-Bahn-Eingang Mehringplatz laut Einschätzung der Polizei zu den am meisten „kriminalitätsbelasteten“ Orten Berlins.

Und über die angeblich stattfindende Bürgerbeteiligung im Rahmen des Projekts "Soziale Stadt" können 99,5 Prozent der Mehringkiezbewohner nur bitter lachen.

M. Boé

Mit Texten aus „Schwäbische Zeitung“ - www.schwaebische.de