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Schönste Straße Deutschlands 2013

Lektion für das erfolglose Quartiersmanagement Mehringplatz

Wie die Erfolgsstory einer Straße im berüchtigten Stadtteil Moabit das klägliche Versagen des Quartiersmanagement Mehringplatz, der Jugendorganisation KMA, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg schmerzlich verdeutlicht

Die ehemals  hässliche Emdener Straße in Berlin-Moabit wurde gerade zur „schönsten Straße Deutschlands 2013“ gewählt. Es geht hierbei nicht so sehr um die Ästhetik, sondern vor allem um das nachbarschaftliche Engagement, mit dem die Bewohner diese Straße in den letzten Monaten so spektakulär aufgewertet haben.

Sie sammelten Müll, legten Blumenbeete an, bepflanzten Baumscheiben und übermalten graue Strom- und Telefonkästen. Das „Netzwerk Nachbarschaft“ hatte in Kooperation mit einem Baumarkt diesen Wettbewerb initiiert. Mit der Initiative „Saubere Sache“ des TAGESSPIEGEL ging es dann weiter. Der unermüdliche Einsatz der Anwohner wurde mit einem fröhlichen Straßenfest, mehreren Aktionstagen und 5000 Euro Preisgeld belohnt.

Obwohl die Emdener Straße in einem Problemkiez liegt und unter schwierigsten Voraussetzungen ins Rennen ging, hat sie es geschafft, den ersten Platz zu belegen. Bis vor wenigen Jahren war die Gegend noch so verwahrlost, dass immer mehr Anwohner das Weite suchten.

Viele Probleme haben noch Bestand, aber es ist viel grüner und sauberer geworden. Dabei multikulturell wie zuvor - mehr als 30 Nationalitäten sind hier versammelt. Und es gibt mehr Solidarität und Kommunikation unter den Bewohnern. Bezirksbürgermeister Christian Hanke freut sich, dass Moabit im positiven Sinne bundesweite Aufmerksamkeit erregt.

Und nun zum Negativbeispiel Mehringplatz. Trotz der Investition von drei Millionen Euro an Fördergeldern, einem Quartiersmanagement (QM), das seit acht Jahren vor sich hin wirtschaftet und der Jugendorganisation Kreuzberger Musikalische Aktion (KMA), die fast eine halbe Million Fördergelder für diverse, zum Teil fruchtlose Projekte kassierte, hat sich im Mehringkiez nichts wesentlich verbessert. KMA und QM sind unfähig, die Bewohner zu motivieren und zu mobilisieren. Den Kindern und Jugendlichen Geld für ihr Engagement anzubieten, wie es die KMA und der Quartiersrat taten, war die denkbar schlechteste Idee. So lernen die Kids: Ohne Kohle, kein Engagement. Offenbar hat es auch die Galilei-Grundschule nicht geschafft, den Schülern ein Minimum an Respekt für ihr Wohnumfeld zu vermitteln.

Seit nunmehr acht Jahren müssen die Bewohner und ansässigen Gewerbetreibenden zusehen, wie Dilettanten am heruntergekommenen Mehringkiez erfolglos herumdoktern und reichlich Fördergelder kassieren, ohne dass sich irgendetwas zum Besseren geändert hätte.

Im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg sind drei, in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Mitarbeiter mit der Umsetzung des Programms „Soziale Stadt“ in Friedrichshain-Kreuzberg befasst. Auch deren Gehälter werden vom Steuerzahler gestemmt.

Bei einem so hohen Arbeits- und Investitionsaufwand über acht Jahre hinweg könnte man eigentlich entsprechende Erfolge erwarten. Leider sind diese weder spürbar noch sichtbar. Trotzdem kassiert das QM Mehringplatz weiterhin jährlich fast eine Viertelmillion für seine Verwaltung.

Bei meinem Treffen mit der neuen Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, vergangenen Donnerstag bat ich sie: „Schicken Sie das QM Mehringplatz nach Hause und sparen Sie sich dessen horrende Verwaltungskosten. Geben Sie den Bewohnern die eingesparten 230.000 Euro in die Hand und wir garantieren Ihnen, dass wir aus dem Mehringkiez ein Schmuckkästchen machen.“ Ihre enttäuschende Antwort: „Ich habe leider keine Weisungsbefugnis für das QM Mehringplatz. Da müssen Sie sich an Ralf Hirsch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wenden.“ Das ist natürlich aussichtslos. Ohne seine QMs würde Hirsch ja auch seinen Job verlieren.

M. Boé