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Kiezrunde Mehringplatz

Der Rentnerklub

Seit circa sieben Jahren organisiert das Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz eine monatliche Kiezrunde, zu der alle Bewohner und Gewerbetreibende des Gebiets Mehringplatz eingeladen sind. Laut QM-Internetseite bildet die Kiezrunde „einen wichtigen und steten Bezugspunkt innerhalb der Quartiersarbeit. Die offene Runde an freiwilligen und sich stets erweiternden (!) Teilnehmern gibt Impulse und Anregungen, Kritik und Ideen für die Aus- gestaltung der Inhalte“.

Das klingt interessant. Aber warum gehen von den 5.360 Bewohnern nur fünf bis zwölf Leute hin? Und fast immer nur die gleichen. Von den Teilnehmern ist kaum einer unter 60, junge Leute oder Bewohner mit migrantischem Hintergrund sucht man dort vergebens. Ein gemütlicher Rentnertreff bei Tee, Kaffee und Keksen.

Ich bin ja auch im Rentenalter, aber es würde mir nie in den Sinn kommen, nur Gleichaltrige zu frequentieren. Das wäre intellektueller Stillstand. Meine Freunde und Bekannten sind zwischen 20 und 75 Jahre alt. Die QM- Mitarbeiter sind zwar noch relativ jung, haben aber Ansichten und den Geschmack von Greisen.

Widerspruch oder gar Kritik am QM seitens der freundlichen Kiezrundenteilnehmer ist kaum zu erwarten. So kann das QM in aller Ruhe von seinen tollen Projekten erzählen. Die genauen Kosten werden allerdings nicht erwähnt, denn das würde die armen Bewohner nur überfordern. Niedrigschwellig gehört doch zu den Lieblings- ausdrücken des QM.

Und wenn mal Kritik vorgetragen wird, dann liest sich das im Sitzungsprotokoll des QM so: Die Kiezrunde kritisierte dazu den aktuellen Zustand des Pfads, obgleich sie die Projektidee grundsätzlich positiv für das Quartier bewerteten. Will heißen: Sieht zwar beschissen aus, aber die Idee ist nicht schlecht. Die Idee zum Pfad der Visionäre stammt ja auch vom Kunstwelt e.V., dem Träger des QM, und Kristijana Penava, die Geschäftsführerin des QM Mehringplatz, ist auch Vorstand im Kunstwelt e.V.

Hin und wieder verirren sich mal Neugierige in die Kiezrunde, um dann nie wieder zu kommen. Für Laberrunden haben die meisten Leute eben weder Geduld noch Zeit. Auch ich nahm in den letzten Jahren an etwa sieben Kiezrunden teil, immer in der Hoffnung, dass etwas konkret angepackt wird. Leider gleichen die Sitzungen eher einer Wahlveranstaltung. Da erzählen die Politiker auch immer, was alles im Argen liegt, konkrete Lösungen liefern sie nicht. Genauso ist das in den Kiezrunden. Seit sieben Jahren werden immer wieder die gleichen all- gemein bekannten Probleme diskutiert, einen verbindlichen Aktionsplan gibt es kaum.

Seit langem beklagt die Kiezrunde die dunklen Schaufenster der GEWOBAG-Ladenzeile bei Nacht. So steht zum Beispiel im letzten Sitzungsprotokoll: „Frau Herzberg betonte, dass es wichtig sei, die Auslage des Ladens auch in der Nacht zu beleuchten. Schön. Und was gedenkt die Kiezrunde zu unternehmen? Davon steht nichts im Protokoll.

Nun ja, es reicht nicht, irgendwelche Wünsche zu äußern, man muss Taten folgen lassen. Wir haben Mitte März die Mieter der Ladenflächen Mehringplatz 7 bis 11 schriftlich gebeten, nachts ein Licht brennen zu lassen. Der Optikerladen ist bereits seit langem bis Mitternacht beleuchtet. In der Boutique Madame und im Bastelladen nebenan leuchten nachts mehrere bunte Lämpchen. Ein anderer Laden hat zugesagt, mit den Kindern einige Lampen zu basteln. Auch im Büro der Linken brennt nun nachts ein Licht seit wir Frau Wawzyniak darum gebeten haben. Nicht reagiert hat leider der mit Fördergeldern reich beschenkte Vielfalt e.V., der zu allem Überfluss ein Fenster blickdicht mit weißer Farbe übermalt hat. Den Friseurladen haben wir noch einmal persönlich angesprochen.

Ein Teekränzchen dieser Art wäre harmlos, würde das QM die Meinungen der zehn Kiezrundenteilnehmer nicht als Grundlage seiner Ziele und Legitimation seiner banalen Tätigkeiten ansehen.

Das QM sollte sich endlich mal fragen, warum 99,9 Prozent der Bewohner und 100 Prozent der Jüngeren kein Interesse an seinen Kiezrunden zeigt. Aber das wäre wohl zu viel verlangt.

M. Boé