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Mietervertretung

Der Ver-Mieterbeirat vom Mehringplatz

Zwei Jahre lang drängte ich unseren Vermieter, die GEWOBAG Wohnungsbau-AG, am Mehringplatz wieder einen Mieterbeirat zu etablieren. Mitte 2011 war es dann so weit: es wurden Wahlen abgehalten. Da ich die meisten Stimmen bekam, wurde ich Vorsitzende des Mieterbeirats.

Ich freute mich auf diese neue Aufgabe, da ich die problembehaftete Beziehung vieler Mieter zur GEWOBAG verbessern und helfen wollte, Mieterwünsche vorzutragen und durchzusetzen. Die Mieterbeiratssitzungen sollten öffentlich sein, um den Bewohnern Gelegenheit zu geben, die Arbeitsweise des Mieterbeirats zu verfolgen.

Leider hatte schon die erste Sitzung des Mieterbeirats einen unangenehmen Beigeschmack für mich: Bevor es um sachliche Fragen zum Prozedere ging, wurde erst einmal um Geld geschachert. Die Mieterbeiräte sollten von der GEWOBAG eine jährliche Aufwandsentschädigung von 40 Euro erhalten, die Vorsitzende 60 Euro. Meine Stellvertreterin war der Meinung, dass ihr 50 Euro zustünden, was aber von der GEWOBAG-Vertreterin abgelehnt wurde. Um auch den geringsten Verdacht auf etwaige Kumpanei mit dem Vermieter zu vermeiden, spendete ich meine 60 Euro für den Kinderkarneval der KMA. Ich nahm auch nicht an dem von der GEWOBAG finanzierten Wochenendausflug teil.

Die GEWOBAG stellte dem Mieterbeirat auch eine jährliche Auslagenpauschale in Höhe von 1.000 Euro zur Verfügung. Da meine Stellvertreterin keinen Drucker besaß, wollte sie von dem Geld gleich einen Drucker kaufen und vom Rest einen Laptop. Begründung: Man müsse ja das Protokoll der einmal pro Monat stattfindenden Sitzung ausdrucken. Ich war fassungslos. Glücklicherweise wurde dieses Ansinnen von der Mehrheit der Mieterbeiräte abgelehnt.

Leider entwickelten sich die Sitzungen des Mieterbeirats im Beisein einer GEWOBAG-Vertreterin zum netten Teekränzchen. Per Email übermittelte Mieterwünsche wurden belächelt und ignoriert, die Beschwerde einer Mieterin, die sich über das Getrampel einer über ihr wohnenden Familie beklagte, wurde nicht weiter verfolgt, weil die GEWOBAG-Kundenberaterin die alte Dame als eine sich dauernd beschwerende „schwie- rige Mieterin“ bezeichnete.

Ich war der Meinung, dass der Mieterbeirat allen von den Bewohnern eingereichten Beschwerden und Anregungen nachgehen sollte und die Sitzungen öffentlich stattfinden müssten. Da ich mich nicht durch- setzen konnte, verließ ich schließlich den Mieterbeirat. Positiver Nebeneffekt: Durch meinen Austritt konnte eine Bewohnerin mit migrantischem Hintergrund nachrücken. Doch nach kurzer Zeit, verließ auch sie den Mieterbeirat. Einem Nachbarn gegenüber sagte sie: Das bringt ja doch nichts.

Der Mieterbeirat existiert nun seit fast zwei Jahren, aber keiner weiß genau, was dort diskutiert oder be- schlossen wird. Was hat er für die Bewohner erreicht? Weder die Sitzungen noch die Protokolle sind öffentlich zugänglich. Das erinnert fatal an die Arbeitsweise des Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz. Eine Vertreterin des Mieterbeirats nimmt zwar regelmäßig an den monatlichen Kiezrunden im QM-Büro teil, liefert dort aber kaum Informationen zur Arbeit des Mieterbeirats. Eine Bewohnerin aus der Brandesstraße, die den Mieterbeirat vor drei Monaten per Email um Auskunft zu dessen Tätigkeit ersuchte, bekam bis heute keine Antwort.

Was unternahm der Mieterbeirat als sich im Oktober 2012 immer mehr Bewohner Sorgen wegen asbest- haltiger Bodenplatten in ihren Wohnungen machten? Was war die Reaktion des Mieterbeirats auf das Info- blatt, das die GEWOBAG zum Thema Asbest Anfang November 2012 verteilte? Formulierte der Mieterbei- rat irgendeinen Protest gegen die zwei Jahre rückwirkende Mieterhöhung der GEWOBAG? Noch dazu kurz vor Weihnachten! Mir ist nichts bekannt.

In der kürzlich von den Bewohnern organisierten Mieterversammlung zum Thema Asbest in unseren Wohnungen, an der 58 Personen teilnahmen, meldete sich ein anwesender Mieterbeirat zu Wort. Er gab genau die Meinung der GEWOBAG wieder: Alles nicht so schlimm!

Margit Boé