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Deutsch für Ausländer

Galilei-Grundschule und QM boykottierten kostenlosen Deutschkurs für Migranten

In 2007 unterbreitete ich dem Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz einen Projektvorschlag. Ich erklärte mich bereit, einmal pro Woche einen zweistündigen Deutschkurs für ausländische Bewohner des Mehringkiezes durchzuführen. Da die Mittel begrenzt waren, verzichtete ich auf zwei Drittel meines üblichen Honorars.

In meinem Kurs büffelten Russen, Ukrainer, Japaner, Spanier, Kolumbianer, Polen und Franzosen deutsche Vokabeln und Grammatik. Leider keine türkischen und auch keine arabischen Mitbewohner. Trotz meiner Bitte an das QM, im monatlich stattfindenden Frühstückstreffen für türkische Frauen diese auf den kostenlosen Deutschkurs hinzuweisen und zu motivieren, passierte nichts. Außerdem versäumte es das QM zwei Jahre lang, den Deutschkurs auf seiner Homepage zu erwähnen. Erst auf mein Drängen hin wurde dies nachgeholt.

Meine Schüler lernten begierig und hatten viel Spaß bei den Rollenspielen, die Situationen im Supermarkt, im Kaufhaus, bei Behörden, etc. nachstellten. Ich konnte eine angenehme, solide Vertrauensbasis schaffen, so dass mich meine Schüler oft auch bei privaten Problemen um Rat fragten. Wir feierten deutsche und russisch-orthodoxe Weihnachten und Ostern bei mir zu Hause, die Schüler brachten Musikinstrumente und Delikatessen aus ihren Ländern mit. Freundschaften, die immer noch Bestand haben, wurden geschlossen.

Drei  Jahre lang wurde der Deutschkurs, der im Jahr ca. 2.000 Euro kostete, aus Fördergeldern des Programms SOZIALE STADT finanziert. Dann war plötzlich Schluss. Mein Vorschlag, nun einen Deutschkurs für Anfänger mit Fokus auf türkische und arabische Frauen zu starten, wurde vom QM und der Steuerungsrunde abgelehnt. Offiziell wurde keine Begründung für die Ablehnung genannt. Für diverse Kiezfeste werden problemlos 10.000 Euro pro Fest genehmigt, für einen einjährigen Deutschkurs nicht einmal 2.000 Euro. Dem QM ist offenbar nicht geläufig, dass Integration ohne Deutschkenntnisse nicht gelingen kann.

Bis Ende 2011 nahmen laut Anwesenheitsliste durchschnittlich neun Personen am Deutschunterricht teil. Da der Deutschkurs für 2012 aber für arabische und türkische Frauen gedacht war, konnte man nicht vorhersagen, wie viele Interessenten es geben würde.

Da das QM blockierte, fragte ich die Wohnungsbaugesellschaft GEWOBAG, ob sie sich an der Finanzierung eines Deutschkurses für ihre türkischen und arabischen Mieterinnen beteiligen würde. Die GEWOBAG signalisierte Interesse und ich mobilisierte Nachbarn und die KMA um eventuelle Interessenten ausfindig zu machen. Natürlich wurde auch die QM-Mitarbeiterin Handan Yigit gebeten, den türkischen Teilnehmerinnen des von ihr geleiteten  monatlichen Frühstücks zu informieren, aber nichts geschah. Auch auf der QM-Homepage wurde der kostenlose Deutschkurs mit keinem Wort erwähnt.

Bei einem Besuch des so genannten ELTERNCAFÉs, das einmal pro Woche in der Galilei-Grundschule stattfindet und für türkische und arabische Mütter gegründet wurde, übergab ich der türkischstämmigen Moderatorin meine Visitenkarte, verbunden mit der Bitte, die Teilnehmerinnen des ELTERNCAFÉs auf den kostenlosen Deutschkurs hinzuweisen und dafür zu motivieren. Da ich nach Stunden und nicht nach Anzahl meiner Schüler bezahlt werde, ist es für mich persönlich unerheblich, ob 10, 15 oder 20 Schüler kommen, aber ich wollte, dass so viele migrantische Frauen wie möglich davon profitieren können.

Als die Leiterin der Galilei-Grundschule, Gerti Sinzinger, von diesem Besuch erfuhr, war sie sehr erbost. Wir – Quartiersrat Conrad Beckert und ich – hatten versäumt, uns vorher anzumelden. Die Tatsache, dass das ELTERNCAFÉ (Teil des Projekts ELTERNNETZWERK, Kosten über 102.000 Euro,) oft in einer ungemütlichen, tischlosen Ecke des Eingangsbereichs der Schule (siehe Foto) unter Teilnahme von nur zwei türkischen Müttern stattfand, schien Sinzinger gar nicht zu stören. Jedenfalls ging sie nicht darauf ein. Über die Werbemaßnahme für den kostenlosen Deutschkurs war Sinzinger jedoch regelrecht empört. Sie untersagte die Weitergabe der Kursinformationen an die Mütter der Schüler. Ausgerechnet die Leiterin einer Grundschule, deren Schüler zu 91 Prozent aus Familien mit migrantischem Hintergrund kommen, spreizt sich gegen die Verbreitung von Informationen zu einem kostenlosen Deutschkurs für migrantische Mütter!

Sprachkurse, die nicht über staatliche Fördertöpfe - also vom Steuerzahler - finanziert werden, sind am Mehringplatz offensichtlich auch nichts wert.

M. Boé

Elterncafé  in der Galilei-Grundschule, ein Projekt des Vielfalt e.V.

Das "gemütliche" Elterncafé in der Galilei-Grundschule (Projekt des Vielfalt e.V.)