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Willkür am Mehringplatz

Brief einer Bewohnerin an Senator Michael Müller

Sehr geehrter Herr Senator Müller,

ich wohne seit 16 Jahren im Gebiet Mehringplatz und bin frustriert darüber, dass sich unser Wohnumfeld trotz der Gründung eines Quartiersmanagements vor acht Jahren und des Einsatzes von Millionen Förder- geldern nicht verbessert hat. 

Im Bürgergremium Quartiersrat haben die zehn Bewohner leider nicht sehr viel zu sagen, weil die Sozial- vereine, die Nutznießer der Fördermillionen, auch über ihre Projekte abstimmen dürfen. Das finde ich nicht in Ordnung.

In der Bürgerjury sitzen zwar nur Bewohner, aber der Einfluss des Quartiersmanagements Mehringplatz ist stark fühlbar. Mitglieder der Bürgerjury, die den Sinn eines Projektes kritisch hinterfragen oder das QM kritisieren, werden einfach rausgeschmissen.

So wurde meine Nachbarin, Frau Boé, im November 2010 unter Missachtung der damals gültigen Geschäfts- ordnung aus der Bürgerjury ausgeschlossen. Von den vier anwesenden Bewohnern stimmten drei für und einer gegen den Ausschluss von Frau Boé.

Ich habe mir die damalige Geschäftsordnung zeigen lassen und dort steht: „Die Bürgerjury ist beschluss- fähig, wenn mindestens zwei Drittel der Mitglieder anwesend sind.“ Von den acht Mitgliedern waren jedoch nur vier anwesend. Die Bürgerjury war demnach nicht beschlussfähig. Vom ebenfalls anwesenden Vertreter der Senatsverwaltung, Herrn Hirsch, wurde die Abstimmung dennoch als korrekt gewertet.

Ich habe damals bei der Wahl für Frau Boé gestimmt, weil ich sie – wie viele andere – als engagierte und kompetente Nachbarin kennengelernt hatte. Ich finde es inakzeptabel, dass sie aufgrund der Meinung von nur drei Bewohnern (im Quartier leben über 5300 Menschen) und weil das Quartiersmanagement Mehring- platz nicht mit Kritik umgehen kann, aus einem Gremien geworfen wird, das von uns Bewohnern gewählt wurde.

Die Begründung für den Ausschluss von Frau Boé war die angeblich „destruktive Form“ ihrer Mitarbeit und ihre „fehlende Anerkennung des Programms Soziale Stadt“. Das ist einfach lächerlich. Ich kenne nieman- den, der sich mehr und uneigennütziger für das Wohl unseres Kiezes einsetzt als Frau Boé. Sie hat die GEWOBAG dazu gebracht, 40 Jugendlichen den Besuch im deutsch-türkischen Theater Naunynstraße zu ermöglichen. So konnten die jungen Leute eine äußerst lehrreiche Integrationssatire sehen, die von der Presse hochgelobt wurde.

Frau Boé erreichte vom Grünflächenamt auch die Aufstellung von 30 neuen Bänken im Außenkreis des Mehringplatzes.

Frau Boé‘s Projekt zur Gründung eines Mehringplatz-Fußballteams bestehend aus 9- bis 12-jähringen Kindern hat sie bereits der GEWOBAG vorgestellt.

Vielen Bewohnern half sie bei Problemen mit dem Vermieter, für Migranten schreibt sie Briefe an die Behör- den und gibt ihnen praktische Tipps.

Demnächst wird auf Initiative von Frau Boé ein Zebrastreifen auf der Franz-Klühs-Straße angebracht, um die Kinder auf ihrem Schulweg besser zu schützen. Vier Jahre kämpfte sie für eine bessere Beleuchtung des dunklen Weges vor dem Seniorenwohnhaus am Mehringplatz 5. Letztendlich mit Erfolg. 

Dank Frau Boé‘s Hartnäckigkeit wurden die gefährlich rutschigen Fliesen vor den Eingängen der Häuser im Mehringplatz-Innenring von der GEWOBAG ausgetauscht.

Für ihr aktuelles Projekt, eine „Notinsel“ für Schulkinder, die von anderen Kindern oder Erwachsenen beläs- tigt oder bedroht werden, konnte Frau Boé bereits eine Ladenbesitzerin gewinnen.

Es stimmt allerdings, dass Frau Boé eine große Gegnerin des aktuellen Quartiersmanagements am Mehring- platz ist. Sie wirft den Quartiersmanagern Inkompetenz, Eigeninteresse und Verschwendung vor, aber es gibt viele Bewohner, die diese Meinung teilen.

Mit freundlichen Grüßen
Tatiana Minder