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Lesermeinung

Ladenweise tote Hose

Ich bin eine Mitbewohnerin und finde ganz toll, was Sie da machen, aber Sie schreiben, dass die Touristen bei uns einkaufen könnten. Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, was für Schrottläden wir inzwischen hier haben? Ich wohne seit 30 Jahren am Mehringplatz. Hier waren mal hübsche Cafés und schöne Geschäfte, wo man einkaufen konnte, Garderobe usw. Es ist alles weg! Die Ladenzeile ist von Hilfswerken besetzt – vom Mehringplatz 7 bis hoch zur Nr. 10.

Auf der anderen Seite des Mehringplatzes ist es auch nicht viel besser. Das sind alles Läden, die keinen interessieren. Wer soll denn hier was kaufen? Was sollen die Touristen hier kaufen?

Ich möchte Sie gerne unterstützen, aber am Mehringplatz kann man machen, was man will, es wird sich hier nichts ändern solange es keine attraktiven Geschäfte gibt und endlich wirksame Hilfsprogramme gestartet werden.

Es ist hier wirklich schlimm. Wenn ich nicht so eine schöne Wohnung hätte, wäre ich längst weg. Wie so viele Langzeitmieter, die bereits die Flucht ergriffen haben.

Ich unterstütze Sie gerne, glaube aber, dass es verlorene Liebesmüh ist, was Sie sich alles hier antun.

Antwort Victoria Gazette:

Sie haben sicher Recht was die tote Ladenzeile betrifft. Das Grundproblem ist jedoch die mangelnde Kaufkraft im Mehringkiez, die verhindert, dass hier schöne Cafés und Läden mit attraktiver Ware eröffnet werden. Durch die verfehlte Wohnungspolitik der ansässigen Wohnungsbaugesellschaften fand eine fatale Entmischung der Bewohnerschaft statt.

Laut Harald Martenstein, Kolumnist beim TAGESSPIEGEL, sind Stadtviertel, in denen nur eine einzige Sorte von Leuten wohnt, öde - egal, ob es nur Wohlhabende, nur Arme, nur Migranten oder nur junge Familien sind. Mono- kultur laugt die Böden aus, in dieser Hinsicht ähneln sich Landwirtschaft und Stadtsoziologie. Im Mehringkiez besteht in dieser Hinsicht noch sehr viel Handlungsbedarf.

Leider haben auch unser Quartiersmanagement und Bezirksamt versagt. Von den 3,5 Millionen Euro Förder- geldern, die in den letzten 7 ½ Jahren geflossen sind, hat das QM Mehringplatz fast die Hälfte für seine Ver- waltung ausgegeben. Projekte zur Verschönerung des Mehringkiezes oder zur Förderung des ansässigen Gewerbes gab es kaum.

Der QM-Träger Kunstwelt e.V., der bisher so gut wie nichts zum Wohle des Mehringkiezes beigetragen hat, besetzt seit ca. zehn Jahren eine große Ladenfläche in der Fußgängerzone (Friedrichstraße 4), für die er der GEWOBAG keinen Cent Miete bezahlt. Unser Vorschlag, diese Räume einer Organisation bzw. einem Verein zur Verfügung zu stellen, der sich im Gegenzug verpflichtet, in die Verbesserung der Situation am Mehringplatz zu investieren, wurde von der GEWOBAG leider nicht angenommen.

Anstatt die Ladenflächen Mehringplatz 7 bis 10 diversen Sozialvereinen, die sich hauptsächlich hier niederge- lassen haben, um direkten Zugang zu den Fördertöpfen zu haben, für eine geringe Miete zu überlassen, sollte die GEWOBAG kreativen Jungunternehmern die Räume als Starthilfe zu Sonderkonditionen zur Verfügung stellen. Leider wurde auch dieser Vorschlag von der GEWOBAG nicht weiterverfolgt.

Einen kleinen Lichtblick gibt es allerdings: Am Mehringplatz 8 hat sich eine Kunstgewerblerin etabliert, die originelle, bunte Klamotten und schöne, handgefertigte Accessoires und Schmuckstücke zu fairen Preisen anbietet. Und dann gibt es ja noch den attraktiven Optikerladen an der Ecke ...

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