Victoria Gazette

Willkommen auf der Victoria Gazette

Werden Sie Mitglied in unserem Bürgerverein
La Belle Alliance e.V.

www.la-belle-alliance.de

 

Stadtentwicklung Berlin

Stadtentwicklung in Berlin

Sanierung der südlichen Friedrichstraße - zaghaft, bieder, fantasielos

Bevor ich nach Berlin kam, habe ich in verschiedenen Großstädten gelebt - in Wien, Zürich, Paris, Rio de Janeiro, San Francisco, Rom, Hamburg und im holländischen Eindhoven. Aber nirgendwo habe ich so katastrophale Leistungen von Stadtentwicklern erlebt wie in Berlin. Den Berliner Stadtplanern fehlt jegliche Vision, Fantasie, Experimentierfreudigkeit oder schlicht die Fähigkeit, außergewöhnliche architektonische Ideen umzusetzen. Wichtig ist ihnen nur eins: Es muss billig sein – egal wie es nachher aussieht. Stararchitekt Daniel Libeskind kritisierte neue Berliner Gebäude mal als „charakterlos“.

In ihrem Band „Abriss-Atlas Berlin“ formulieren zehn Berliner Architekten und Journalisten ein Statement zur Hauptstadt-Architektur und geben ihre Favoriten zum Abriss frei: „Reißt das Adlon nieder! Es erinnert daran, wie weit Geld und guter Geschmack heute auseinander liegen können.“ „Shopping Mall Alexa - alles an diesem seelenlosen rosa Ungetüm beleidigt Auge und Intellekt.“ „Rolling Horse Skulptur - In bestürzender Hässlichkeit und Einfalt zeigt es ein Pferd, dessen Gestalt sich im unteren Teil der Skulptur zu einem Rad rundet.“ „Der Berliner Dom erreicht einen Kitschpegel, der selbst Schloss Neuschwanstein mühelos in den Schatten stellt.“ „Spreebogen – alberner Gigantismus, Materialanmutung: rumänischer Baumarkt.“ „Der Potsdamer Platz ist zum Heulen. Die Billo-Optik des Hotels Ritz-Carlton ist eine Frechheit, die nur vom Nachbarhaus noch übertroffen wird.“ Und dann der Alex …

Nun zur Neugestaltung des Mehringplatzes. Der Entwurf des letztendlich zweitplatzierten Architektenentwurfs ist fantasievoll und originell. Stattdessen entschieden sich die biederen Berliner Stadtentwickler für die billigere 08/15-Version, die einfach nur Rasen und Betonbänke in der Anlage um den Brunnen herum vorsieht. Wird ein großflächiger Rasen Touristen zum Mehringplatz locken? Wohl kaum – keine guten Aussichten für unsere Kleingewerbler. Bereits vor Baubeginn wurde nun das Budget für die Neugestaltung des Mehringplatzes um 400.000 Euro (!) gekürzt. Mal sehen, wie die Billigversion aussehen wird und vor allem, wie die Rasenflächen nach zwei/drei Jahren aussehen werden.

Beim Baukostenzuschuss für das neue Redaktionsgebäude der „taz“ zeigte sich der Berliner Senat bedeutend großzügiger. An die „taz“ flossen staatliche Subventionen in Höhe von 3,3 Mio Euro, obwohl deren Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch  keinerlei neue Jobs für die zahlreichen Arbeitslosen im QM-Gebiet Mehringplatz in Aussicht gestellt hat. Dafür hält sich die linke „taz“ in ihrer Berichterstattung auffällig zurück, wenn es um die kritische Bewertung der Arbeit des rot-rot-grünen Senats geht.

Mit einem kleinen Teil der Millionen, die der unfähige Berliner Senat mit dem nie endenden BER-Fluchhafen monatlich in den Sand setzt, könnte man den Mehringplatz von Stararchitekt Libeskind persönlich luxus-sanieren lassen.

Maguy Boé (17.01.2018)