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Jobcenter

Raus aus der Abhängigkeit vom Jobcenter

Dass die Jobcenter unsinnige Maßnahmen verordnen und Steuergelder verbrennen, ist hinlänglich bekannt. Aber die Günter-Wallraff-Doku vom 16.3.2015 auf RTL "Inside Jobcenter" war dennoch schockierend.

Vor allem wurde eins dabei deutlich: Die großen Abräumer sind die privaten Träger, die Coaching und Kurse anbieten, die zwar teuer, aber oft unsinnig und ineffektiv sind. Eine Jobcenter-Mitarbeiterin sagt in dem RTL-Beitrag: „Egal wie sinnlos die Maßnahmen auch waren, wir mussten sie anwenden. Denn die vom Staat zur Verfügung gestellten Millionen mussten raus, raus, raus. Auf keinen Fall durfte Geld übrig bleiben!“

Irgendwie erinnert das fatal an das Quartiersmanagement Mehringplatz.

Mitte Februar rief mich Sibel S., Mutter zweier Kinder, an und erzählte mir weinend, dass ihre Familie ab Ende März von Obdachlosigkeit bedroht sei. Eine meiner Nachbarinnen hatte ihr meine Telefonnummer gegeben. Ich lud sie zu mir ein, um Näheres zu erfahren. Weder sie noch ihr Mann hatten einen Job, weshalb ihnen kein Vermieter eine Wohnung geben wollte. Die GEWOBAG behauptete, keine freie Wohnung in Kreuzberg zu haben.

Das Jobcenter stellte der Familie einen Coach zur Seite, der 10.000 Euro (!) erhielt, um die Familie zu unterstützen. Der Coach sagte den Eltern, sie müssten erst eine Wohnung suchen und dann einen Job. Er hatte offenbar nicht verstanden, dass die Familie wegen ihrer Abhängigkeit vom Jobcenter keine Wohnung bekam.

Ich konnte die sehr gut Deutsch sprechenden Eltern überzeugen, dass sie ZUERST einen Job suchen sollten – egal welchen. Zehn Tage später hatten beide einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Keine Traumjobs, aber sie sichern den beiden eine bescheidene Existenz. Mit Kindergeld kommen sie auf 2.450 Euro. Später können sie immer noch nach einem besseren Job Ausschau halten.

Unterdessen schrieb ich einige Politiker an und bat um Hilfe bei der Wohnungssuche. BBM Monika Herrmann reagierte sofort und kontaktierte ihrerseits Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler. Dessen Referentin präsentierte innerhalb kürzester Zeit drei Wohnungsangebote einer landeseigenen Wohnbaugesellschaft. Zwar nicht im gewünschten Bezirk Kreuzberg, aber besser als Obdachlosigkeit. Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele, den ich angeschrieben hatte, reagierte ebenso umgehend und beauftragte seinen Bürochef, die türkische Familie zu kontaktieren.

Sibel S. und ihr Mann haben sich nun für die Wohnung eines privaten Eigentümers in Tempelhof entschieden. Der Vermieter war von ihrer Kontaktaufnahme zu Politikern und ihren außerordentlichen Anstrengungen so beeindruckt, dass er ihr sofort einen Mietvertrag gab – obwohl die Eltern bei ihrem jeweiligen Arbeitgeber noch in der Probezeit sind.

Steuergelder in Höhe von 10.000 Euro für einen Coach, der es nicht geschafft hat, der Familie Job und Wohnung zu vermitteln! Beides hat die Familie aus eigener Kraft geschafft, nachdem ich ihnen klargemacht hatte, dass ein Job – egal welcher - Vorrang habe.

Der Dank der Familie geht auch an BBM Monika Herrmann, Stadtrat Knut Mildner-Spindler und MdB Hans-Christian Ströbele, die schnell und unbürokratisch gehandelt haben.

M. Boé