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Missmanagement am Mehringplatz

Der Mehringplatz nach neun Jahren QM-Präsenz

Auf der Internetseite des Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz steht:

Bereits im Jahre 2004 wurde im Rahmen des Aktionsforums Mehringplatz eine Bewohnerbefragung im Gebiet rund um den Mehringplatz durchgeführt. Die Umfrage zeigte Probleme auf, welche die Anwohner alleine nicht bewältigen können. Viele bemängelten den starken Alkohol- und Drogenkonsum am Platz, wünschten sich die Aufwertung der Grünanlagen und Spielplätze, mehr Angebote für die Anwohner und, und, und.

Und wie ist die Lage heute – zehn Jahre später – nach fast neunjähriger QM-Präsenz und Investitionen in Millionenhöhe?

Alkohol- und Drogenkonsum: Eine immer größer werdende Gruppe von Alkohol und Drogen konsumierenden Leuten vermiest den Bewohnern und ihren Kindern das Leben. Sie werden als „Scheißkanaken“ beschimpft, mit Bierflaschen beworfen, mit dem Messer bedroht. Freilaufende, ständig bellende Hunde zerren an den Nerven der Bewohner.

Um sicherzustellen, dass diese Leute auch bleiben, ließ das QM aus Fördermitteln finanzierte Bänke und Regenunterstände aufstellen. Inzwischen kommen Alkoholiker mit ihren Hunden, Junkies und Drogenhändler aus allen Stadtteilen zum Mehringplatz, wo es so gemütlich ist. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann „kann und will diese armen Leute nicht verdrängen“. Dass bereits eine türkischstämmige Familie mit ihren Kindern weggezogen ist – also verdrängt wurde – und viele andere nach einer neuen Wohnung suchen, scheint die forsche Bürgermeisterin nicht zu stören.

Aufwertung der Grünanlage: Auch dazu hat das QM Mehringplatz leider jahrelang nichts beigetragen. Als die GEWOBAG, das Bezirksamt und die AOK vor circa zwei Jahren die Einstellung eines Platzgärtners beschlossen, keimte kurz Hoffnung unter den Bewohnern auf. Da der Gärtner jedoch ein Großteil seiner Arbeitszeit im Café MadaMe oder im QM-Büro verbringt, fällt das Resultat eher bescheiden aus. Außerdem zieht sein Arbeitgeber, die Firma Fletwerk, den Platzgärtner auch für andere Arbeiten heran. Die Steuer- und AOK-Beitragszahler werden schon nix merken.

Aufwertung der Fußgängerzone: Die betonlastige, graue Fußgängerzone ist noch genauso trostlos wie vor zehn Jahren. Die großflächige Fassade der Jugendorganisation KMA wurde nur zur Hälfte (!), dafür aber in einem faden Weiß mit Graustich gestrichen. Die Fassade des bezirkseigenen Gebäudes, in dem das QM Mehringplatz untergebracht ist, sah jahrelang aus als stamme sie aus einer Bürgerkriegsregion – abfallender Putz und tiefe Löcher im Gemäuer. Nach vierjähriger „Amtszeit“ kam das QM Mehringplatz endlich auf die Idee, Blumenkästen vor sein ebenerdiges Büro zu stellen. Auch die heruntergekommene Fassade wurde renoviert. Das QM-Büro selbst hat immer noch den umwerfenden Charme einer Garage. Unfassbar, dass in diesem hässlichen Umfeld seit fast neun Jahren Frauen arbeiten!

Spielplätze: Die Mütter des Mehringkiezes sammeln gerade Unterschriften, um das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zu veranlassen, endlich mehr Kinderspielplätze zu bauen. Sie sind empört, dass das Bezirksamt 138.000 Euro für den umstrittenen „Pfad der Visionäre“ übrig hat, aber nichts für Spielplätze. Eine Hälfte des leider ziemlich verwahrlosten Theodor-Wolff-Parks würde sich bestens dafür eignen. Aber der „Park“ wird seit zehn Jahren hauptsächlich als Hundespielplatz genutzt. Anstatt dort blühende Büsche zu pflanzen, investierte das QM Mehringplatz 1.000 Euro Fördergelder in kurzlebige Blumenzwiebel und um die 700 Euro in stachelige Brombeersträuche.

    

ungepflegter Theodor-Wolff-Park

Am Mehringplatz hat die GEWOBAG Wohnungsbaugesellschaft zwei Sandkästen für Kinder eingerichtet. Einer davon ist nicht ungefährlich für die Kleinen, da in dessen Mitte ein Baum steht, den die Alkojunkies als Urinal benutzen. Auch gebrauchte Spritzen werden hin und wieder im Sand gefunden. Ein etwas größerer, privater Spielplatz befindet sich hinter den GEWOBAG-Häusern Lindenstraße 112-116, der bei schönem Wetter jedoch stark überlaufen ist. Hinter dem GEWOBAG-Gebäude Brandesstraße 1 liegt ein großer, seit Jahren verwaister Spielplatz, der trotz mehrfacher Anfragen der Bewohner von der GEWOBAG ohne Angabe von Gründen nicht freigegeben wird.

verwaister GEWOBAG-Spielplatz

Öffentliche Spielplätze gibt es so gut wie keine. Der mit über 8.000 Euro Fördergeldern aufgemotzte Bolzplatz ist laut Aussage vieler Kinder nicht so gut, weil der harte Betonboden Verletzungen beim Fallen verursachen kann. Sie hätten sich einen weicheren Boden wie auf dem Sportplatz der Galilei-Grundschule gewünscht. Aber wer fragt schon Kinder um Rat? Nicht das QM Mehringplatz! Und schon gar nicht der für die Projektvergabe Verantwortliche in der Senatsverwaltung, Ralf Hirsch.

Wer sind nun die Gewinner, wer die Verlierer dieser Misswirtschaft?

Die hiesigen Bewohner und Gewerbetreibenden haben in den letzten neun Jahren kaum etwas gewonnen.

Gewinner sind auf jeden Fall die Sozialvereine, die im Quartiersrat sitzen und paradoxerweise über ihre Projekte mit abstimmen dürfen. Sie freuen sich über die reichlich sprudelnden Fördergelder aus EU- und Bundesmitteln. Viele Bewohner mit migrantischem Hintergrund wundern sich über die Rolle des Vereins Vielfalt, der sich unaufgefordert als ihr Sprecher einen Sitz im Quartiersrat und damit Zugang zu den Fördergeldern gesichert hat. Der Vielfalt e.V. bekam vom QM circa 120.000 Euro für sein Projekt „Elterncafé“, das in einer lauten Ecke des Eingangsbereichs der Galilei-Grundschule eingerichtet wurde – keine Tische, nur ein paar Stühle. Da Projekte nach ihrer Bewilligung so gut wie nie kontrolliert werden, entging dem QM, dass das ungemütliche „Elterncafé“ von migrantischen Eltern kaum genutzt wurde.

Der absolute Topgewinner ist sicher das Quartiersmanagement Mehringplatz bzw. dessen Projektträger Kunstwelt e.V., der letztes Jahr fast eine Viertelmillion Fördergelder für seine Verwaltung kassieren durfte – bei freier Büromiete versteht sich.

Die Verantwortlichen in der Senats- und Bezirksverwaltung, die eigentlich eine gewisse Kontrollfunktion haben, lehnen sich zufrieden zurück und lassen das QM Mehringplatz gewähren.

M. Boé (30.4.2014)