Victoria Gazette

Willkommen auf der Victoria Gazette

Werden Sie Mitglied in unserem Bürgerverein
La Belle Alliance e.V.

www.la-belle-alliance.de

 

Pfad der Visionäre

Kommission für Kunst kritisiert künstlerischen Wert des Projekts

Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Kommission für Kunst im öffentlichen Raum Friedrichshain-Kreuzberg

Bonger Voges, der Initiator des Projekts "Pfad der Visionäre" in der Friedrichstraße, betrachtet den Pfad im Sinne Beuys als soziale Plastik, die auch eine politische Kunst sei. Es sei nun notwendig, dass aus sog. „Sanierungsmitteln“ entweder für 110.000 Euro neun Tafeln realisiert werden oder als größtmöglicher Wunsch für 300.000 Euro eben alle 33 Tafeln eingesetzt werden könnten. Der Einsatz von öffentlichen Geldern sei erforderlich, um den Botschaften und Sponsoren zu belegen, dass ein großes Interesse an einer Umsetzung bestehe.

In ihren Einschätzungen stellen jedoch alle anwesenden Mitglieder der Kommission überhaupt in Frage, ob dieses Projekt eine öffentliche Förderung erhalten soll. Es wird kritisiert, dass ein als „Sponsoren-Projekt“ begonnenes Vorhaben, das zu 100 Prozent privat finanziert werden sollte, nun öffentliche Mittel beansprucht. Eigentlich müsste jetzt erst mal eine Ausschreibung erfolgen und überlegt werden, wie in Form eines konkurrierendes Verfahrens künstlerische Aktivitäten initiiert werden könnten. Es sei nicht einsichtig, warum gerade dieses Projekt nun quasi „durch die Hintertür“ gefördert werden solle.

Stark kritisiert wurde ebenfalls der künstlerische Wert dieses Projekts. Der Bezug auf die „soziale Plastik“ sei naiv und gehe an der Realität vorbei. Die Tafeln seien lediglich durch Graphiker gestaltet worden, die Sprüche auch zunächst nur ausgewählt durch die Botschaften selbst – auch wenn eine Jury die Schlussauswahl treffe – so dass jede kritische, irritierende und gar politische Aussage ausgeschlossen sei. Die Einbeziehung der Botschaften als „Partizipation“ zu definieren, sei nicht seriös und widerspreche dem Partizipationsbegriff in der Kunst.

Kritisiert wurde ebenfalls, dass sich dieses Projekt zwar als sozio-kulturell definiere, es aber tatsächlich nicht sei: die einzige Beteiligungsform bleibe die Lektüre der Tafel. Es sei auch fraglich, wie hierdurch eine Aufwertung des Gebietes erfolgen könne. Beispiele anderer Projekte wie z.B. die „Werkstatt für Veränderung“ von Seraphina Lenz würdenja ganz andere Dimensionen erreichen – und dies für weit weniger öffentliche Gelder.

Dieses Projekt müsse daher in seiner Form, in seiner Wirkung und eben auch in dem Versprechen, ausschließlich über Sponsoren finanzierbar zu sein, als gescheitert anzusehen. Dieser Einschätzung wird einstimmig durch die Mitglieder der Kommission gefolgt.