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Fördergelder "Soziale Stadt"

Erratischer Einsatz von Fördermillionen durch das QM Mehringplatz

Merkwürdig. Ein Ausflug an die Spree ist förderfähig, ein Ausflug ins Theater nicht. Boxkurse für Jugendliche werden gefördert, Informatikkurse für begabte Schüler nicht. Offenbar sind Projekte, die den Intellekt fordern, beim Quartiersmanagement (QM) Mehringplatz nicht angesagt.

Die Arbeitslosenquote unter den jungen Bewohnern des Mehringkiezes ist wegen mangelnder Qualifikation erschreckend hoch. Deshalb gilt das Thema „Mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ zu Recht als Themen- schwerpunkt.

Sieht man sich jedoch die Internetseite des Quartiersmanagement Mehringplatz an, muss man fassungslos feststellen, dass das QM in den acht Jahren seiner Existenz lediglich ein Projekt zu diesem Thema, nämlich das Europafestival, umgesetzt hat. Inwieweit Klettertürme, Straßenumzüge und Fahnenschwinger ge- eignet sind, die Chancen der jungen Leute auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, weiß nur das QM und dessen Träger Kunstwelt e.V., der für dieses Projekt über 20.000 Euro kassieren durfte.

Riesige Summen wurden in Kita-Projekte wie „Ich singe Deutsch“ (ca. 59.000 €) und das Sprachprogramm Rucksack 1 & 2 (100.000 €) gesteckt. Ob Kinder besser oder schneller Deutsch lernen, wenn sie deutsche Lieder singen, lässt sich nicht nachprüfen. Aber gehört das Einstudieren deutscher Lieder nicht zu den Aufgaben aller Erzieher? Sind die Fördergelder dazu da, die Unlust, Faulheit oder mangelnde Kompetenz der Erzieher zu kompensieren?

Warum wurden bisher keine Projekte umgesetzt, die die Schulkinder intellektuell fordern und ihre späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt dementsprechend erhöhen? Warum schwadroniert das QM immer nur von „niedrigschwelligen“ Angeboten? Demnach sollen die Kinder wohl auf niedrigschwelligem Niveau bleiben. Die Kinder des Mehringkiezes sind doch nicht alle geistig minderbemittelt!

Dass die K.M.A. im Herbst 2011 Fördergelder in Höhe von 1000 Euro für eine Boxausstattung bekommen hat, kann man noch nachvollziehen. Aber statt der 35.800 Euro für einen Boxkurs, an dem zeitweise nur drei Jugendliche teilnahmen, hätte man besser einen „höherschwelligen“ Informatikkurs für begabte Kinder ab 10 Jahren finanzieren sollen.

Eine Arbeitsgruppe der Organisationen Informatics Europe und ACM Europe, bestehend aus Wissenschaft- lern aus Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, Israel und den USA kam unlängst zu dem Schluss, dass in europäischen Schulen der Informatikunterricht nicht ausreichend ist oder zu spät angeboten wird. Dies habe große Nachteile für die jungen Europäer und negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Länder. Es bestehe die Gefahr, dass Europa derzeit den so wichtigen Anschluss auf dem Gebiet der Informatik verliere.

So kritisieren die Wissenschaftler, dass europäische Länder ihre Grund- und Hauptschulschüler pädagogisch und wirtschaftlich schädigen, indem sie ihnen eine Ausbildung in den Grundlagen der Informatik nicht oder nicht ausreichend anbieten. Dies würde die europäische Wirtschaft in Gefahr bringen.

Die europäischen Jugendlichen drohen dem Bericht zufolge hinter Schülern vieler anderer Länder zurückzu- bleiben. Ohne wirksame Informatiklehre bestehe das Risiko, dass Europa zum bloßen Konsumenten von Technologien werde, die anderswo hergestellt werden.

Nun hat das QM, dem meine harsche Kritik an seiner Arbeitsweise missfällt, bisher noch jeden meiner Projektvorschläge abgelehnt: im März 2011 die Restaurierung der total verdreckten Marmorskulpturen DER FRIEDE und KLIO, eine wöchentliche Mietersprechstunde durch einen Fachanwalt, im Oktober 2010 die Bepflanzung der damals kahlen Hochbeete und die Anschaffung einer wiederverwendbare Weihnachts- dekoration, und ebenfalls im Oktober 2010 die Bereitstellung von 500 Euro für Tickets, um 50 Jugendlichen, den Besuch der von der Presse hoch gelobten Integrationssatire „Verrücktes Blut“ im deutsch-türkischen Theater Naunynstraße zu ermöglichen. All diese Vorschläge wurden vom QM abgeblockt, ohne dass die Bewohner je davon erfahren haben.

Aus diesem Grund habe ich meinen neuen Vorschlag für die Einrichtung eines hochwertigen Informatikkurses am Mehringplatz für Kinder ab 10 Jahren direkt dem Bezirksbürgermeister Franz Schulz und Peter Beckers, Stadtrat für Schule und Sport, unterbreitet. Mal sehen, wie sehr den Politikern die Zukunft unserer Kinder am Herzen liegt.